Naturwissenschaft und Spiritualität

Endlich ist es da - das neue Buch von Marcus Schmieke. "Der Zweite Weg" beschreibt mit seinen eigenen Worten sein Lebenswerk und alles, was er in seiner inneren und äußeren Welt bisher gesehen, verstanden und geschenkt bekommen hat. Lesen Sie hier das Kapitel "Naturwissenschaft und Spiritualität".

Naturwissenschaft und Spiritualität

Ich fühle mich in meiner Arbeit den Gedanken und der Vision des großen Physikers und Denkers Hans- Peter Dürr verpflichtet und bewundere vor allem sein gesellschaftliches und politisches Engagement, für das er sogar zusammen mit der Gruppe Pugwash den Friedensnobelpreis als Würdigung seiner Verdienste um die Beendigung des kalten Krieges erhielt. Professor Dürr schrieb: „Für mich als Naturwissenschaftler bedeutet Versöhnung, dass wir nicht auf das Spirituelle verzichten können. Das Spirituelle kommt ohne das naturwissenschaftliche Denken aus, aber nicht umgekehrt. Die Naturwissenschaft, wenn sie eine Verbindung zur Religion findet, könnte auch die Tendenz zur Weisheit verstärken und nicht nur zur Macht. Wissen ist für mich nicht nur ein Mittel zur Macht, sondern auch zur Einsicht und zur Weisheit. Wir müssen unbedingt die spirituelle Komponente wieder in diese Welt bringen, sonst gehen wir einem unendlichen Leid entgegen. Ich fühle mich verantwortlich. Daher auch die Frage, inwieweit Religion ebenfalls eine neue Verantwortung in der Welt übernehmen muss, wenn es darum geht, etwas tun zu wollen.“ Dieser Kernaussage möchte ich im Sinne der Quantenphysik eine komplementäre Aussage hinzufügen und entgegenstellen: Ich glaube, dass auch das Spirituelle die Naturwissenschaft sehr wohl braucht! Psychologie und Quantenphysik sind Naturwissenschaften und werden als solche den spirituellen Weg der Menschheit maßgeblich beeinflussen. Die Spiritualität der alten fernöstlic hen Kulturen oder der mittelalterlich abendländischen Mystik war eine Spiritualität von Menschen, die sehr viel stärker aus dem Unbewussten heraus lebten und kein so stark entwickeltes Ich-Bewusstsein hatten wie wir heute. Die alten spirituellen Wege der Kelten oder die Jahrtausende alten Yoga-Wege der Inder gründen ja gerade auf dieser unbewussten Verankerung der Menschen und ihrem Zugang zur Tiefe der Psyche. Der moderne Menschen- und Bewusstseinstyp, der den gesamten Planeten erobert hat (oder das zumindest glaubt), braucht nicht mehr die Spiritualität, sondern die Naturwissenschaft und ihre neuen Symbole als Ausgangspunkt seiner Entwicklung. Die Symbole der alten Religionen, die Göttinnen und Götter, das Kreuz und der Kreuzweg des Christentums, die Mandalas der indischen Chakras, sie alle sprechen den heutigen Menschen nicht mehr an und werden nicht mehr als Symbole erkannt. Die Naturwissenschaft hat neue Symbole hervorgebracht, die dem modernen Menschen den spirituellen Weg weisen können und werden. Das Hintergrundfeld und die Paradoxien der Quantenphysik, die morphogenetischen Felder der Biologie, die Biophotonenfelder der Biophysik, das Unbewusste und die Archetypen der Tiefenpsychologie, der Placebo-Effekt der modernen Medizin, die Formeln der Psycho-Neuro-Immunologie und nicht zuletzt das Informationsfeld: Sie alle sind starke neue Symbole. Sie weisen dem rational eingestellten, wissenschaftsgläubigen modernen Menschen den Zugang zu einer inneren spirituellen Wirklichkeit und zur spirituellen Bestimmung der Menschheit als Ganzes. Diese neuen Symbole haben für den modernen Menschen die gleiche spirituelle Kraft wie die Götterbilder der alten Religionen. Sie müssen aber erst als Symbole erkannt werden; Symbole, die nicht bloß rational formale Begriffe verkörpern, sondern weit über sich selbst hinausweisen; Symbole, die Tore in die verborgene Welt der spirituellen Erkenntnis und Entwicklung des Menschen öffnen können. Genau hier liegt die besondere Verantwortung der Naturwissenschaft als Ganzes, die Verantwortung jedes einzelnen Naturwissenschaftlers: Wenn sie diese Kraft ihrer neu geschaffenen Begriffe als spirituelle Symbole in den inneren Raum des Menschen und der Natur nicht erkennen, werden sie ein neues entseeltes Dogma schaffen, das den Menschen in einem einseitig rational eingestellten Ich-Bewusstsein isoliert und damit schutzlos den Kräften der inneren Natur, des Unbewussten und den verdrängten nichtrationalen Kräften der Natur aussetzt. Die auf diese Weise sträflich vernachlässigte innere Natur des Menschen wird dann auf noch unvorstellbarere Weise zurückschlagen als in den Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts, als die Menschheit überrascht und hilflos der verdrängten Irrationalität und der Naturgewalt ihrer eigenen psychischen Möglichkeiten ausgesetzt war. Die seit dieser Zeit entstandenen globalen Vernichtungswaffen geben einen deutlichen Hinweis darauf, wie mächtig ein weiterer globaler Einbruch der verdrängten irrationalen Seite der Natur des Menschen sein könnte. Zu diesen Waffen zählen heute neben dem Kriegsgerät im engeren Sinn auch der gesamte technologische Fortschritt und im soziologischen Sinn auch die moderne Informationstechnologie des Internet. Es wäre verantwortungslos, die enorme geistige und damit auch spirituelle Kraft der naturwissenschaftlichen Erkenntnisse, Begriffe und Symbole nicht für die spirituelle Entwicklung des Menschen zu nutzen. Ich glaube, dass wir nur durch die Integration der neuen naturwissenschaftlichen Einstellung unseres modernen Bewusstseins aus der rationalen Einseitigkeit entfliehen können, in die uns die Naturwissenschaften getrieben haben.

Physiker und Religion

Ich bin natürlich nicht der einzige Physiker, der sich mit den Gemeinsamkeiten, den Gegensätzen und den Schnittstellen von Naturwissenschaften und Spiritualität beschäftigt hat. Ganz im Gegenteil, bei der Beschäftigung mit der Physik ergibt sich die philosophische und/oder spirituelle Komponente beinahe zwangsläufig. Schon die ersten herausragenden Proponenten der Quantenphysik haben das Sinnvakuum ihrer Arbeitswelt bemerkt und nach Auswegen daraus gesucht. Max Planck, der sich selber als tief religiös bezeichnete, schrieb in einem Aufsatz, dass unser Erkenntnistrieb verlangen würde, „die Weltordnung der Naturwissenschaft und den Gott der Religion miteinander zu identifizieren. Danach ist die Gottheit wesensgleich mit der naturgesetzlichen Macht.” Weiters formulierte Planck an anderer Stelle: „Die Naturwissenschaft braucht der Mensch zum Erkennen, die Religion aber braucht er zum Handeln.“ Und: „Für den gläubigen Menschen steht Gott am Anfang, für den Wissenschaftler am Ende aller Überlegungen.” Carl Friedrich von Weizsäcker schrieb über die Verantwortung der Wissenschaftler im Atomzeitalter: „Aber eins möchte ich den Theologen unter Ihnen sagen, etwas, was Sie wissen und die anderen wissen sollten: Sie bewahren die einzige Wahrheit, die tiefer reicht als die Wahrheit der Wissenschaft, auf der das Atomzeitalter beruht. Sie bewahren ein Wissen vom Wesen des Menschen, das tiefer wurzelt als die Rationalität der Neuzeit. Der Augenblick kommt unweigerlich, in dem man, wenn das Planen scheitert, nach dieser Wahrheit fragt und fragen wird.“ Albert Einstein behauptete, dass erst das Streben nach dem Sinn die Fortschritte auch in der klassischen mechanistischen Physik überhaupt erst hervorgebracht hätte: „Nur der lebendige Glaube an die Vernunft des Weltenbaues und Abglanzes der in dieser Welt geoffenbarten Vernunft hat Kepler und Newton den Mechanismus der Planetenbahnen in der einsamen Arbeit vieler Jahre entwirren lassen.“ Und: „ Es ist die kosmische Religiosität, die solche Kräfte spendet.“ Werner Heisenberg schrieb in „Die Wissenschaft und das abendländische Denken“: „Die Frage nach Gott ist ja längst keine wissenschaftliche Frage mehr, sondern die Frage nach dem, was wir tun sollen.“ Erwin Schrödinger beklagte, dass in der Naturwissenschaft seiner Epoche alle Sinnesqualitäten fehlten, dass es keine Farben, Töne oder Greifbarkeit mehr gäbe. Dass die gesamte naturwissenschaftliche Forschung auf die Fragen nach dem Sinn und Zweck nur mit Schweigen antworte. Für mich persönlich ist besonders interessant, dass einige von diesen Wissenschaftlern an derselben Quelle nach dem Zusammenhang und nach dem Sinn gesucht haben, eine Quelle, die für westliche Menschen nicht gerade naheliegend erscheint: Erwin Schrödinger, Albert Einstein, Werner Heisenberg und Niels Bohr studierten die altindischen vedischen Schriften, wie schon vor ihnen die Philosophen Kant und Hegel. Sie alle haben begriffen, dass unsere Seele drei Wege kennt, um sich der Wahrheit zu nähern: Über unseren Verstand, über unsere Wahrnehmung und über Gefühle und Liebe. Alle diese drei Wege führen uns zur Wahrheit oder, wenn man so will, zu Gott.

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